König Drosselbart

Es war einmal ein König mit einer wunderschönen Tochter. Leider war das Mädchen nicht nur wunderschön, sondern auch fürchterlich arrogant. Sie dachte, dass sie besser ist, als alle anderen. Sie lachte jeden Mann aus, der sie heiraten wollte. Ein paar Männer waren ihr zu fett, andere waren ihr zu dünn. Ein paar Männer waren ihr zu groß, andere waren ihr zu klein.

Der König wollte, dass seine Tochter heiratet, also lud er alle wichtigen Männer auf eine Party ein. Dort standen sie dann alle in einer Reihe, während die Prinzessin an ihnen vorbeiging. Jeden einzelnen lachte sie aus und spottete über sie. Besonders der König des benachbarten Königreiches bekam sein Fett weg. Der arme Mann hatte ein krummes Kinn. Pfff, dein Kinn sieht aus wie der Schnabel einer Drossel´, sagte sie. Ab heute werden wir dich nur noch Drosselbart nennen.

Der König sah, wie fürchterlich seine Tochter all diese Männer behandelte und wurde wütend. “Du wirst den ersten Bettler heiraten, der an unserer Tür klopft!” schrie er. Und so geschah es. Ein paar Tage später kam ein Musiker in schmutziger, verschlissener Kleidung zum Schloss, um Lieder vorzusingen. Der König rief in herein und ließ ihn direkt die Prinzessin heiraten.

Die Prinzessin fand das furchtbar, aber sie musste das tun, was ihr Vater ihr sagte. Sie und ihr neuer Ehemann wurden aus dem Schloss weggeschickt. Nach allem war jetzt kein Platz mehr für einen Bettler und seine Frau.

Der Bettler nahm die Prinzessin an die Hand und nahm sie mit nach draußen. Als sie zu einem großen Wald kamen, fragte das Mädchen: „Wem gehört denn dieser wunderschöne Wald?“ und der Bettler antwortete: „Das gehört alles König Drosselbart.“ An einer grünen Wiese und einer großen Stadt geschah das gleiche. Als sie nach einer langen Zeit zu einem kleinen Haus kamen, sagte der Bettler, das dies ihr gemeinsames Zuhause sei. Oh, wie das Mädchen es bereute, nicht den König Drosselbart geheiratet zu haben. Wenn sie doch nur nicht so arrogant gewesen wäre…

Die Tochter des Königs betrat das Häuschen und wusste nicht, wie ihr geschah. Es gab nur einen einzigen Raum und keine Bediensteten. Sie musste plötzlich alles selbst machen. Aber das Mädchen wusste weder, wie sie ein Feuer machen sollte, noch wie man kochte oder spann. Also entschied ihr Ehemann, dass sie auf den Markt gehen und Töpfe und Pfannen verkaufen sollte. So könnte sie zumindest ein bisschen Geld verdienen, um Essen zu kaufen.

Der erste Tag auf dem Markt lief ganz gut und die Prinzessin verkaufte ein paar Töpfe und Pfannen. Allerdings setzte sie sich am nächsten Tag in eine Ecke des Marktes. Als ein betrunkener Mann auf seinem Pferd nicht aufpasste, ritt er geradewegs durch all die Töpfe und Pfannen. De Tochter des Königs hatte nichts mehr übrig und lief weinend nach Hause. Sie hatte große Angst, dass ihr Ehemann wütend werden würde.

Und tatsächlich wurde ihr Ehemann wütend, aber er hatte bereits eine andere Aufgabe für sie gefunden. Sie sollte als Küchenhilfe im Schloss des Königs arbeiten. Sie musste die schmutzigsten Arbeiten erledigen, aber sie tat es ohne zu murren. Sie stopfte ihre Taschen mit Essensresten voll, damit sie und ihr Ehemann etwas zu essen hatten.

Und dann kam der Tag, an dem der älteste Sohn des Königs verheiratet werden sollte. Der große Ballsaal war wunderschön dekoriert und all die wichtigen Menschen kamen in ihren schönsten Kleidern. Oh, wie die Prinzessin so gerne doch auch dort sein wollte. Sie verfluchte ihre Arroganz, die sie zu einem Leben in Armut gebracht hatte.

Als das Mädchen zuschaute, kam der Sohn des Königs herein. Er sah das wunderschöne Mädchen an der Tür stehen und nahm ihre Hand. Aber die Prinzessin erschrak und weigerte sich, denn sie hatte erkannt, dass es König Drosselbart war. Aber er zog sie mit sich in den Ballsaal. Als Ergebnis davon rissen ihre Taschen auf und all das Essen fiel auf den Boden. Wie sehr sich das Mädchen doch schämte!

Sie rannte sofort aus dem Saal, aber auf der Treppe holte sie König Drosselbart ein. “Hab keine Angst,” sagte er, “Ich bin der Musiker, mit dem du in dem kleinen Haus gelebt hast und ich bin auch der Betrunkene, der deine Töpfersachen zerstörte. Ich wollte dich für deine Arroganz bestrafen und dafür, dass du mich ausgelacht hast.” Die Prinzessin begann zu weinen und schluchzte: “Ich bin es nicht wert deine Frau zu sein!” Aber König Drosselbart beruhigte sie und gab ihr die allerschönsten Kleider. “Jetzt werden wir unsere Hochzeit wirklich feiern,” sagte er. Und so taten sie es auch. Und die Prinzessin hat niemals wieder auch nur irgendjemanden ausgelacht.

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