Catherine Bernard

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Catherine Bernard (1662–1712) war eine französische Schriftstellerin und Dichterin, die im klassischen Zeitalter Frankreichs wirkte. Sie stammte aus einer protestantischen Familie in Rouen und ließ sich schließlich in Paris nieder, wo sie als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit literarische Anerkennung erlangte. Bernard gewann mehrfach den Poesiepreis der Académie française – eine bemerkenswerte Leistung für eine Frau im 17. Jahrhundert.

Neben ihrer Lyrik und ihren Romanen hinterließ Catherine Bernard auch Märchen, die im Geist des französischen Feenmärchen-Booms der späten 1690er Jahre entstanden. Diese Erzählungen erschienen im Umfeld bedeutender Zeitgenossen wie Charles Perrault und Madame d’Aulnoy und zeichnen sich durch eine elegante, höfische Sprache sowie nachdenkliche Motive aus. Bernards Märchen beschäftigen sich häufig mit dem Spannungsfeld zwischen äußerem Schein und innerem Wert – eine Thematik, die dem Geist ihrer Zeit entsprach und zugleich zeitlose Fragen aufwirft.

Eines ihrer bekanntesten Märchen ist Riquet mit dem Büschel, die Geschichte eines hässlichen, aber außerordentlich klugen Prinzen und einer schönen, aber geistig beschränkten Prinzessin. Die Erzählung erkundet, wie Intelligenz und Liebe die Wahrnehmung von Schönheit verändern können – ein Thema, das auch Charles Perrault in seiner gleichnamigen Version aufgriff, wobei Bernards Fassung als die frühere gilt und eine eigenständige literarische Qualität besitzt.

Catherine Bernards Werk steht exemplarisch für die Rolle gebildeter Frauen im französischen Literaturleben des 17. Jahrhunderts. Obwohl sie zu Lebzeiten geachtet war, geriet sie nach ihrem Tod weitgehend in Vergessenheit. Erst in neuerer Zeit wurde ihr Beitrag zur Märchenliteratur und zur Prosa des Grand Siècle von der Literaturwissenschaft neu bewertet und gewürdigt.